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Ein Zeitungsartikel aus dem Jahre 1981 zum 70. Geburtstag des 1983 verstorbenen Richard Gierster:

Stolzer Rückblick auf ein großes Lebenswerk

Auf ein erfülltes Lebenswerk kann Richard Gierster zurückblicken, wenn er morgen seinen 70. Geburtstag feiert. Dank weitsichtiger kaufmännischer Planung und seinem unermüdlichen Einsatz gelang es ihm, aus dem ererbten Laden eines der größten Fachgeschäfte der Stadt zu machen.
Ferdinand Gierster in seinem ColibriSchon sein Vater Ferdinand Gierster erwies sich in geschäftlicher wie privater Hinsicht stets auf der Höhe der Zeit. So hatte er zum Beispiel als erster in Vilshofen ein Auto, das 1911 große Bewunderung erregte. Bis ins hohe Alter blieb er ein begeisteter Autofahrer und saß am Steuer seines Mietwagens.

Eine gehörige Portion dieses Unternehmungsgeistes vererbte Ferdinand Gierster seinem Sohn Richard, der 1936 das Fahrrad- und Nähmaschinengeschäft des Vaters übernahm. 1911 war die Familie von Kollbach, wo sie seit 1897 ein gleiches Geschäft betrieben hatte, nach Vilshofen gekommen. Im gleichen Jahr meldete Ferdinand Fierster noch sein Mietwagenunternehmen an und erwarb schließlich 1921 das Fahrrad- und Nähmaschinengeschäft von Nepomuk Niedermeier in Vilshofen, Vilsvorstadt 43.

Fa. Gierster mit Tankstelle in der Vilsvorstadt.Im Vergleich zur heutigen Größe war das Geschäft mit einem Schaufenster mehr als bescheiden. Als würdiger Nachfolger seines Vates machte sich Richard Gierster jedoch bald an einen Ausbau und vergrößerte die Reparaturwerkstätte. Das Unternehmen entwickelte sich in der Folgezeit kontinuierlich zu einer Motorrad- und Automobil-Reparaturwerkstätte. Die Ausrichtung auf das neue Zeitalter der Kraftfahrzeuge erwies sich als goldrichtig. Im August 1954 mußte Richard Gierster seine Motorradwerkstätte ausbauen, um der wachsenden Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges folgen zu können. Nur zwei Jahre später gliederte er eine Autowerkstätte an und weitere drei Jahre danach baute er einen für damalige Verhältnisse äußerst großzügigen Ausstellungsraum.

Die Kundschaft des Unternehmens kam zu dieser Zeit aus dem weiten Umkreis. Richard Gierster hatte sich weitum einen guten Namen erworben und rechtfertigte das Vertrauen seiner Kunden durch Fleiß und Zuverlässigkeit. Inmitten der Stadt wurde es für die vielen Autos und Motorräder aber bald wieder zu eng. Eine Absatzkrise ähnlich derheutigen gab für ihn schließlich den Ausschlag, seinen Betrieb grundlegend zu verändern. Er gab den Autohandel auf. Weil der Werkstattbetrieb in der Innenstadt auf die Dauer zu laut wurde, stellte Richard Gierster fünf Jahre später auch den Handel mit Motorrädern ein.

Mit der ihm eigenen kaufmännischen Weitsicht hatte er sich da schon für eine neue Grundlage seines Geschäfts entschieden. Die Schwerpunkte seines Verkaufsprogramms heißen seither Nähmaschinen, Fahrräder, Kinderwagen und Spielwaren. In dem nochmals vergrößerten und gründlich erneuerten Geschäft findet der Kunde ein geradezu überwältigendes Angebot.

Neue Ausstellung der Fa. Gierster im Jahre 19621978 übergab Richard Gierster sein Geschäft, das kaum noch Ähnlichkeit hat mit dem ererbten Laden, an seine Tochter Ursula Gierster-Wittmann. Er hat den Laden nicht nur um ein Mehrfaches vergrößert, sondern auch den Bedürfnissen der heutigen Zeit angepaßt und so für die dritte Generation, die nun das Geschäft führt, gesichert. Trotz seiner 70 Jahre denkt Richard Gierster, der sich guter Gesundheit erfreut, nicht an Ruhestand im strengen Wortsinn. Er ist vielmehr weiterhin im Geschäft tätig und steht seinen Nachfolgern so mit Rat und Tat zur Seite. Frau Gierster, geb. Scholder, Kaufmannstochter aus Aidenbach, hat beim Aufbau des Betriebs hauptsächlich in der Nähmaschinen- und Kinderwagen-Abteilung mitgearbeitet und ist auch weiterhin im Geschäft tätig.
 



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